Lehre (online)

Vor März 2020 habe ich meist physisch unterrichtet, aber auch bei mir hat Corona hat die Lehre ins digitale Zeitalter gebracht. Mein eigener Wechsel auf remote Lehre über Online-Tools war holprig, aber lehrreich. Um es Anderen leichter zu machen, teile ich ein paar meiner Erfahrungen.

Auf dieser Seite:

Technische Ausstattung

Mein aktueller Rechner ist Firmeneigentum, ein Acer Aspire 5 unter Ubuntu 20.04 (Focal Fossa), deshalb mache ich zum Rechner keine Aussagen.

Das Equipment drumherum habe ich privat hinzugekauft und dann probiert, was gut geht und was nicht.

Die Produkt-Links sind keine Affilate Links, ich bin mit den Firmen nicht verbunden und profitiere also nicht davon deren Produkte hier zu nennen.

Mikrofon

Nachdem ich mit Laptop-internen Mikrofonen, Headsets und einem Studio-Mikrofon probiert habe, gewinnt definitiv das gerichtete Studio-Mikrofon mit Popschutz.

Da Studiomikrofone in der Regel Richtmikrofone sind und Geräusche nur aus einer Richtung klar auffangen, kommt es wenig bis selten zu Rückkopplungen, weil das Mikrofon die Ausgabe etwa von anderen sprechenden Teilnehmern einfängt. Ich selbst nutze ein Trust GXT 252, welches z.B. bei Mediamarkt seit einiger Zeit für unter 90€ zu bekommen ist. Das GXT 252 Emita wird zudem noch mit einem praktischen Transportkoffer geliefert.

Studiomikrofon GXT 252 Emita mit auf einem Standfuß mit angebrachtem Popp-Filter
GXT 252 Emita mit Popp-Filter (Foto von Hersteller)

Ein Headset (JBL ohne Kabel) empfand ich als unangenehm, da es bei längerem Unterricht zu unangenehmen Druck auf den Ohren, im schlimmsten Fall Kopfschmerzen, führt. Zusätzlich hängen einem die schwenkbaren Mikrofone von Headsets ständig im Gesicht herum und stören, zum Beispiel beim kurzen Schluck aus dem Teeglas.

Verlierer in meiner Erfahrung sind die in Laptops verbauten internen Mikrofone, denn sie erfassen viel zu viele Nebengeräusche und sorgen zu oft für Rückkopplungen mit eingefangenen Ausgabesounds.

Kamera

Anfangs habe ich die eingebaute Webcam des Laptops verwendet, dies ist Okay wenn man mit folgenden Punkten leben kann.

  • Man schaut in der Regel auf den eigenen Bildschirm und damit nicht direkt in Richtung der Teilnehmer.
  • Wenn ich den Winkel des Laptop-Bildschirms ändere, verändere ich damit auch den Bildausschnitt der Kamera.

Damit ich diesem aus dem Weg gehe, habe ich meiner Ausrüstung eine externe Streaming-Kamera auf einem Stativ hinzugefügt. Nach einigen Recherchen fiel meine Wahl auf das Modell MF830 von Spedal, die es auf bekannten Online-Marktplätzen für etwa 30€ gibt.

Spedal MF830 (Bild von Herstellerseite)

Ich habe kaum Wert auf extreme Auflösungen oder Bildraten gelegt, da für online-Unterricht ohnehin oft die Bandbreite eine Einschränkung darstellt, sowohl auf meiner Seite, als auch bei den Teilnehmenden.

Was für den Kauf entscheidend war, dass die Anbringung über ein Tripod-Gewinde auf einem Stativ möglich ist. Weiterhin nützlich, finde ich die manuelle Objektiv-Einstellung, denn automatisch scharf stellende Kameras fokussieren in meinem Aufbau oft ungewollt das Mikrofon vor mir.

Die Kamera ist so platziert, dass sie eine Halbtotale von mir hinter dem Studio-Mikrofon aufnimmt. Der Ausschnitt verändert sich nicht, wenn ich den Laptop-Screen bewege und ist daher immer korrekt ausgerichtet. Ein Vorteil, da ich mit einem Greenscreen/Chroma arbeite.

Stativ

Ich habe mich dagegen entschieden, die Kamera auf einem Monitor oder Laptop zu platzieren. Der Monitor ist ergonomisch zum betrachten platziert und nicht so, dass mir der Kamerawinkel gefällt.

Um eine feste verlässliche Position der Kamera zu haben, kaufte ich eines der günstigsten Stative aus den „Essentials“ eines bekannten Onlinehändlers. Schlug mit etwa

Pen-Tablets

Für meine Unterrichtsform finde ich ein Pen-Tablet für unerlässlich. Um schnell Whiteboard-Grafiken aufzubauen oder auf geteilten Bildschirmen von Teilnehmern zu annotieren, ist man wesentlich schneller, als im Vergleich zu Maus oder Touchpad des Laptops. Das Tablet muss dafür keine professionelles sein, das von Künstlern für digitale Kunst benutzt wird, stattdessen genügen bereits einfache Modelle für unter 30€.

weiteres Zubehör

Weitere Ausrüstung, die ich nützlich finde, ohne die es aber durchaus auch geht. Die Liste ist für Technikfreunde gedacht, die Spaß am Werkeln haben, aber sie schlagen finanziell rein und benötigen Platz.

Ein USB-Hub für die ganzen Geräte

Mit oben beschriebener Ausstattung gingen mir schnell die verfügbaren USB-Ports am Laptop aus, also wurde für mich die Anschaffung eines USB-Hubs nötig. Ich verwende einen 7’er USB-3-Hub.

Foto/Film-Studioausrüstung

Als ich begann mit OBS Studio zu arbeiten, gefielen mir Settings mit ausgeblendeten/transparenten Hintergründen, weshalb ich mir eine ganze Foto-Studio-Ausrüstung zugelegt habe.

Über die Anschaffung solcher Ausrüstung gebe ich aus Kosten/Nutzen-Gründen keine direkte Empfehlung ab, da sie nicht gerade günstig ist und viel Platz benötigt.

Das Paket meiner Wahl von ESDDI kostete etwa 170 €. Weil die Firma scheinbar umbenannt oder geschluckt wurde, findet man diese Sets unter dem Namen Neewer 2. Die Bestellung über bekannte Online-Marktplätze ist übrigens günstiger, als über die Herstellerseite.

Fotostudioausrüstung mit grünem Stoff, Stativen für weiche Lichtschirme und Softboxen.
Fotostudio-Ausrüstung (Symbolbild von Herstellerseite)

Aus dem Paket nutze ich den Greenscreen Stoff an der Wand hinter mir befestigt, denn die gelieferte Aufhängung (Stange zwischen zwei Stativen) kostete zu viel Platz.

Wer es günstiger haben will, der streicht stattdessen besser die Wand in geeigneter grüner Farbe. Tipp zur Farbauswahl: Pantone® von Alpina im Farbton 17-0145 „Online Lime“. Gibt es bei OBI für etwa 25€.

Eine der Soft-Boxes ist auf Stativ hinter dem Laptop aufgebaut, wodurch ich ohne Tageslicht Videos in guter Qualität zu produzieren kann.

Ethernetkabel und Adapter

Dieser Tipp ist so naheliegend wie simpel. Wenn der Rechner zum unterrichten per Kabel an den Router angeschlossen werden kann, solltest Du das tun.

Weil in meiner Homeoffice-Umgebung alle Nachbarn Kunde des gleichen Anbieters sind, kommt es bei Standard-Konfiguration der Router zu Paketverlusten durch bis zu 10 überlagerten WLAN-Netzwerken gleichzeitig. Besonders am Nachmittag stellte ich einen Abfall der Qualität der Verbindung fest, weshalb ich ein paar Euro für ein Ethernetkabel zum Laptop ausgegeben und damit das Problem massiv verringert habe.

Moderne Laptops haben oft keine Anschlüsse für Ethernet mehr und ein Adapter von USB 3.0 auf LAN wird nötig. Mein Adapter von ICY BOX schlug mit etwa 30€ zu buche.

Zusammenfassung Hardware

HardwareKostenNutzen
Studiomikrofon~90 €hoch
Kamera ~30 €mittel
Stativ~19 €mittel
Pen-Tablet~30 €hoch
USB 3-Hub~35 €hoch
Studioausrüstung~170 €optional
grüne Farbe (1l = 10m²) ~25 €optional
Ethernetkabel~3-9€hoch
USB 3.0 zu LAN Adapter~30 €bei Bedarf
subjektive Kosten/Nutzen-Übersicht

Wer sich auf die von mir hoch empfohlene Hardware (Studiomikro, Pen-Tablet, USB-Hub und Ethernetkabel) beschränkt kommt bei ca. 165€ raus.

Alles oben genannte summiert sich bei etwa 460€.

Software und Tools

Wenn du in Hardware investierst, dann nutze passende Software, um sie effizient zu nutzen.

OBS Studio

Ich habe die Studio-Software von Open Broadcasting Software ins Herz geschlossen. OBS Studio erfordert eine starke Hardware, da es Mediendatenströme in Echtzeit konsumiert, verarbeitet und ausgibt.

Zu Installation verweise ich auf die offizielle Dokumentation. Wichtig für den Einsatz im Online-Unterricht ist ein Treiber für virtuelle Kameras, damit die OBS Studio-Ausgabe als Eingang für das Zoom-Video benutzt werden kann. Auf Ubuntu erfordert das die Compilierung eines Kernelmoduls. Dieses muss digital unterschrieben werden, was einen sicheren Neustart mit Einmal-Passwort erfordert.

Dieser Absatz wird noch weiter ergänzt werden. Generell nutze ich OBS aber, um zwischen verschiedenen Szenen zu wechseln, je nachdem ob der Unterricht gerade in einer lockeren Aktivierungsphase ist oder einer konzentrierten Frontalinput/Livecoding-Phase, ich kurz nicht vor dem Rechner bin (Paketdienst an der Tür) oder gerade eine Pause ist.

Peek

Wenn du Programmierübungen erstellst, die Teilnehmer durch kleine Demovideos vom Ergebnis einfacher verstehen, suchst du vielleicht ein Programm zum Video aufnehmen.

Für kurze Aufnahmen von Bildschirmausschnitten finde ich Peek sehr nützlich. Das ist allerdings nur für Linux-Systeme zu haben. Wer Tipps für Win/Mac hat, teilt mir die bitte übers Kontaktformular mit.

Weil Peek als Drittanbieter-Paket nicht in den Ubuntu canonical Repos drin ist, füge zuerst das Quellrepository hinzu und update die Paketliste:

sudo add-apt-repository ppa:peek-developers/stable
sudo apt update

Danach kann Peek mit sudo apt installiert werden:

sudo apt install peek

Peek sieht aus wie ein Bilderrahmen, den du über den Bereich ziehst, den du aufnehmen willst. Die Aufnahme starten und endet per Button. Ich habe den Countdown vor Aufnahme (Standard: 3 Sek.) entfernt. Peek unterstützt derzeit vier Formate:

  • GIF (Compuserve’s Graphics Interchange Format)
  • APNG (animated Portable Network Graphic)
  • WebM (offener Web Media Standard seit HTML5)
  • MP4 (MPEG 4, benötigt ggf. extra decoder/encoder)

GIF und APNG erzeugen die größten Dateien, da sie ohne Kompression erzeugt werden. WebM-Dateien werden am kleinsten und werden von den meisten modernen Browsern (siehe caniuse.com ) und verbreiteten Mediaplayern abgespielt.